Solidargehalt Pflege

Solidargehalt -Pflege

Im letzten Pflegebericht (Pflegestatistik 2015) der Bundesregierung sind knapp drei Millionen Pflegebedürftige ausgewiesen.  Davon werden gut 73 Prozent in häuslicher Umgebung gepflegt.  Die Hälfte davon ohne weitere Unterstützung durch ambulante Hilfsdienste. Die Unterstützung durch Hilfsdienste ist sehr unterschiedlich. Dieses hängt von der Pflegestufe/Pflegegrad ab und den finanziellen Möglichkeiten.

Die größte Gruppe sind die 75 bis über 90-Jährigen Menschen, die auf Unterstützaug angewiesen sind. Angesichts der geburtenstarken Jahrgänge (1960er Jahre) und der weiter ansteigenden Lebenserwartung, wird diese Zahl in den kommenden 15 – 20 Jahren überdurchschnittlich ansteigen. Von 2013 bis 2015 stiegt die Zahl der zu Menschen, die Zuhause gepflegt werden, um über 11 Prozent.

Gar nicht in diesen Zahlen tauchen die auf, die Zuhause betreut werden, ohne einen Antrag auf Pflegegeld oder anderweitige Hilfe. Hier wird Gebrechlichkeit verdeckt, hinausgeschoben, denn der Antragsteller ist der zu Pflegende. Oft ist es nicht einfach, eine Mutter oder den Vater davon zu überzeugen, Pflegeleistung offiziell in Anspruch zu nehmen. Diese Diskussion kennen wir u.a. auch aus dem Thema Führerschein.

Aus Hochrechnungen auf Basis der Studie GEDA 2012 kann geschlossen werden, dass rund 4 bis 5 Millionen private Pflegepersonen, vor allem nahe Angehörige, an der Versorgung der zu Hause lebenden pflegebedürftigen Personen beteiligt sind. Man kann also getrost davon ausgehen, dass inzwischen bis an die 6 Millionen Menschen Angehörige pflegen.

Pflege ist kein Faktor des Wachstums

Wenn man dem Geldfluss folgt, wird die Schieflage der Pflege Zuhause mehr als deutlich. Über 70 Prozent der Menschen werden Zuhause betreut, dafür werden aber nur 25 Prozent der Mittel aus der Pflegeversicherung aufgewandt. Noch gravierender wird es, wenn man die Leistung der Angehörigen beziffert. Volkswirtschaftlich betrachtet entspricht die Pflegeleistung der Angehörigen 44 Milliarden Euro, während das Gesamtvolumen der soz. Pflegeversicherung nur bei 25,91 Milliarden € liegt. (nachzulesen bei Faktenscheck Armutsrisiko).

Pflege ist zu einem BIP-relevanten Faktor der Volkswirtschaft gemacht worden. So ist er Teil des Wachstums des Wirtschaftssystems. Die Folgen dieser Grundausrichtung erleben auch die, die in Heimen leben, wenn wir die Kritik an Pflegeheimen und deren Bewertung ansehen und ernst nehmen. Die einen werden als Umsatzbringer verwahrt, die anderen mit Almosen alleine gelassen, bis hin zur Armutsgefährdung.

Solidargehalt Pflege

Die Pflege durch Angehörige ist einer gewerblichen Pflege gleichzustellen. Die schon anerkannten Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung für Pflegende zeigt, dass die Verantwortlichen diese Problematik sehr genau kennen. Die Voraussetzungen für diese Anrechnung , u.a. die Bezugsperson noch keine volle Rente oder Ruhegehalt bezieht, pro Woche weniger als 30 Std. erwerbstätig ist und mindestens 10 Std. (verteilt auf 2 Tage) die erforderliche Pflege und Versorgung leistet, zeigt die abwehrende Denkrichtung.

  • Ein Solidargehalt Pflege muss mindestens die Höhe der möglichen Pflegesachleistung entsprechen.
  • Eine Inanspruchnahme der Sachleistung ist in einem Katalog der minderungsfreien Leistungen zu definieren.
  • Pflegeberatung ist regional eine Sache der Gesellschaft und nicht der Pflegeindustrie.
    Sie ist ähnlich der Rentenberatung zu organisieren.
  • Beantragung einer Pflegeleistung kann durch Pflegende/Arzt und Beratungsstelle zusätzlich zum Pflegebedürftigen erfolgen.

Wir unterstützen ausdrücklich die Initiative “Armut durch Pflege”  und die Arbeit von Gudrun Born.

P.S.: Die Stimmen “wer soll das bezahlen”, klingen quasi schon aus dem Bildschirm. Dazu zwei einfache Stichworte: die Aktivierung der noch gültigen Vermögenssteuer (ca. 5-6 Milliarden) und Finanztransaktionssteuer (bis zu 40 Milliarden), die es übrigens in Frankreich und Italien gibt.